Arthur Rimbaud

Nach sechs Tagen in Charleville-Mézières wird es Zeit auf den wohl bekanntesten Künstler der Stadt Artur Rimbaud einzugehen. Was Mozart für Salzburg, Goethe für Weimar ist Rimbaud für Charleville – man kann ihm nicht entkommen. vertonte Gedichte gibt es viele, gemalte Gedichte eher weniger. 17 Mal hat die Stadt Charleville-Mézières große Hauswände für Gedichte „beschlagnahmt“ und Maler aufgefordert, das Gedicht in -Farben zu interpretieren.

Das bekannteste Bild ist eine Karikatur Rimbauds auf der Titelseite der Zeitschrift Les Hommes d’Aujourd’hui von 1888, welche den Dichter im Arbeiten mit Vokalen zeigt, die zu einem lautmalerischen wohlklingenden Ensembel als Gedicht zusammengefügt werden sollen. Die Karikatur von Manuel Luque bezieht sich auf das Gedicht „Voyelles“ welches in der Zeitung erstmalig erschien und wohl eines der bekanntesten wurde. Das handschriftliche Originalmanuskript wurde 2015 auf die Rückseite der neu erbauten „Mediatheque Voyelle“ in der Rue de l’Èglise reproduziert. Dies bildete den Auftakt für 16 weitere Fresken an weniger repräsentativen Orten der Stadt und ließen einen Parcous Rimbaud entstehen,

Beispielsweise wenig repräsentativ sind die vier Wohnblocks am Ende der Rue Delvincourt, die Verlängerung der Rue d’Aubilly, welche am Fresco Voyelle vorbei führt. Das Lycée Général Chancy suggeriert noch eine noble Gegend, die dahinter liegenden Industriebrachen belehren einen jedoch schnell eines Besseren. Die bemalten Giebelseiten der vier Wohnblocks grenzen einen großen Parkplatz gefüllt mit illegalen Müllkippen ab, die sich bis zum Bahndamm erstrecken.

Depart – Die Abreise heisst das bemalte Gedicht, eines der kürzesten in der kurzen Schaffenszeit mit nur fünf Jahren von Arthur Rimbaud.

Sensation – An blauen Sommerabenden werde ich auf die Wege gehen,
Vom Weizen gekribbelt, um das kleine Gras zu zertreten:
Träumend werde ich die Frische zu meinen Füßen spüren.
Ich werde den Wind meinen nackten Kopf baden lassen.

Ich will nicht reden, ich will nichts denken:
Aber unendliche Liebe wird zu meiner Seele aufsteigen,
Und ich will weit, weit fortgehen, wie ein Zigeuner,
Von Natur aus, – glücklich wie mit einem Weibe.

L’Eternité – die Ewigkeit, welche Rimbaud mit „Es ist das Meer, das mit der Sonne verschwunden ist.“ beschreibt.

Le Coeur supplicié – das gequälte Herz, welches während des deutsch-französischen Krieges geschrieben wird, an dem er nicht teilnehmen darf, weil noch nicht volljährig.

Alle Fresken sind in einer Broschüre aus der Serie Focus „Parcours Rimbaud“ vorgestellt und mit Informationen zum Gedicht, zur Freske und zum malenden Künstler versehen. Erhältlich in der Touristen Information oder im Muséum Ardenne, beide am Place Ducale für nur 1,00 Euro oder kostenlos im Internet unter parcours-rimbaud-focus-2020-web.pdf (charleville-sedan-tourisme.fr) herunter zu laden. Die Print-Fassung nur in französisch, flämisch oder englisch, die online-Fassung nur in französisch. Wobei ein automatischer Übersetzer wenig hilfreich ist, denn bereits die französischen Erklärungen sind sehr lyrisch. Daher besser das Gedicht sich übersetzen lassen, und es dank der eigenen Augen mit dem Fresko selbst denkend in Einklang bringen. Lyrik erlaubt das!

Über Rimbaud selbst, eine seiner Wohnungen und natürlich das Rimbaud Museum in der Mühle werde ich an anderen Tagen noch berichten.

Arthur Rimbaud, 17 Jahre alt, 1871

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