2030 – 100 Jahre Insel

Eines der mächtigsten Gebäude Charlevilles ist zweifelsohne die alte Mühle am Ufer der Meuse unterhalb des Place Ducale. Eine breite Brücke führt Radfahrer oder Fußgänger an das andere Ufer des Flusses und überquert dabei noch eine baumbestandene Insel. Die Mühle, längst außer Diensten, beherbergt das Museum Arthur Rimbaud und war in ihrer Mächtigkeit vor 400 Jahren mit den Atommeilern unserer Zeit vergleichbar. Nicht nur ein Kraftwerk als Getreidemühle, sondern Energielieferant für Sägewerke, Schmieden, Walk- oder Steinmühlen.

Frontansicht der Mühle, heute Museum Arthur Rimbaud

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Arthur Rimbaud

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Das Appartement

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Der Weg ist das Ziel

Ich wusste es ja vorher, nicht allein Charleville-Mézières ist das Abenteuer, sondern allein die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln sorgt für genügend Adrenalinschübe. Das Taxi wurde um 6.20 Uhr bestellt und zugesichert für 8.30 Uhr. Um 8.33 Uhr mein erneuerter Anruf: „Yupps, ich habe sie vergessen“. Es wurde schnell ein Privatwagen organisiert und um 8.45 Uhr ging es in zügiger Fahrt zum Bahnhof. Sie wäre nicht nötig gewesen, denn mein Zug nach Gelsenkirchen kam weniger zügig, er hatte Verspätung.

Angekommen, wenn ich dieses Gebäude verlasse – der Bahnhof von

Charleville-Mézières

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Hl. Antonius von Padua

Das Monument der vier Aymon-Söhne mit dem Pferd Bayard oberhalb von Bogny-sur-Meuse ist immer ein Tagesausflug wert, jedoch erfährt man die Mächtigkeit der Ardennen erst einige Kilometer nördlicher in Monthermé bzw. auf der anderen Uferseite der Meuse vom Point de vue de la Roche a 7 heures. Von dort oben schaut man auf die mäandernde Meuse herab, welche Monthermé umfließt. Diese Flussschleife gilt als die spektakulärste Frankreichs, und man sollte an einem sonnigen Morgen um 7 Uhr dort sein, will man den Quarzfelsen, auf welchem der Aussichtspunkt steht, in seiner gesamten glitzernden Schönheit sehen.

Die Flussschleife der Meuse, auf dem anderen Ufer Monthermé

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Missverständnisse

Eine telefonische Diskussion mit der Heimat entbrannte, als nachgefragt wurde, ob ich denn bei meinen zahlreichen Restaurantbesuchen auch schon Coq au vin gegessen hätte. Ich aber hatte Croque monsieur registriert. Ehrlich gesagt, ich habe in Charleville-Mésières in noch keinem Bistro Croque Monsieur angeboten bekommen, wobei Bistros entsprechend dem Pariser Klischee hier auch seltener sind. Als ich mich darauf versteifte, dass es sich um ein Sandwich handele, und nicht wie in den deutschen Kochbüchern beschrieben, um eine Poularde, die in Wein mariniert und mit verschiedenen Gemüsen gekocht wird, kam uns erst am nächsten Tag in den Sinn, dass wir von sehr unterschiedlichen Gerichten sprachen. Aus einem Croque Monsieur kann man keinen Coq au vin machen, aber manche meiner Synapsen unterscheiden nicht zwischen Croque und Coq.

Croque-Varianten mit Ziegenkäse und Honig, oder die Standardausführung mit weicher Butter, Schinken und Emmentaler

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Jetzt hat’s mich erwischt

Nein, noch habe ich mich nicht ohne au revoir für dieses Jahr aus dem Blog verabschiedet, sondern einfach das Bett gehütet. Was mit einem lästigen Schnupfen begann, wurde zu einem herausfordernden Husten, der mich eine Nacht wachhielt. Ein mitfühlender Apotheker verkaufte mir seinen Hustensaft und in Kooperation mit dem Honig aus meiner hauseigenen Imkerei war nach zwölf Stunden sowohl mein Husten als auch mein Schnupfen „perdu“ – wie man in Frankreich auch weitaus tragischere Ereignisse bezeichnet. Nur Schlappheit und Schmerzen in Höhe des Zwerchfells erinnern mich an ungeliebte Stunden. Damit seien meine Aussetzer für vier Tage erklärt.

Hustensaft und Honig zum Frühstück, Mittag und Abend und als Zwischenmahlzeit – es gibt Schlimmeres

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Nikolaus von Myra

Meine Erwartungen an den Nikolaus sind eher gering. Darum habe ich keinen geputzten Schuh auf das Fenstersims gestellt und bin auch erst aufgestanden, als die Franzosen in Charleville-Mézières (CMZ) ihre Geschäfte bereits zur Mittagspause schlossen. Somit gingen meine Erwartungen und die Arbeitsleistung des Nikolaus von CMZ konform: Rien ne va plus! Da ich aber stets besten Willens bin, ging ich auf Nikolaus-Spurensuche und dies bei strömenden Regen in Mézières.

Kleiner Weihnachtsmarkt in Mézières

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Warme Weihnachten

Ich gestehe, mit über 70 gehöre ich jener Generation an, die für die Werbewirtschaft nicht mehr von Interesse ist. Nicht weil wir nicht das Geld ausgeben könnten, sondern weil wir einfach nicht alles vermeintlich Neue auch für kaufwürdig erachten. Man hat einfach in den letzten Jahrzehnten zu viel gekauft, was später nur in der Ecke lag und Platz wegnahm. Darum liegt Black Friday so nahe am Advent, dass die Jüngeren garantiert die vermeintlichen Schnäppchen ergattern. Bis zum letzten Wochenende waren die Schaufenster in Charleville-Mézières mit Black Friday überfüllt, jetzt kommt manche Styropor-Schneeflocke dazu, denn es weihnachtet. Obwohl die Franzosen nach ihren eigenen Aussagen nicht in jenen Kaufrausch fallen, dessen sich die Deutschen stöhnend, selbstkritisch rühmen.

Sparsame Französin, die noch die Sommermode 2025 bei 7 °C zu den Klängen der Fanfaren du Collège Eva Thomé d’Attigny aufträgt

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Denkpause

Einige Tage hatte ich meinen Labtop nicht eingeschaltet, nicht aus Unlust, sondern aus der Alltäglichkeit des Lebens in CMZ heraus. Was es im letzten Jahr noch alles zu entdecken gab, wird heute als Bekanntes und nicht mehr für erwähnenswert erachtet – dabei ist Vieles eines zweiten, eines durchdringenderen Blickes wert. Ein solcher Ort war, ist und wird bleiben der Waschsalon. In diesem Jahr habe ich ein Appartement ohne Waschmaschine angemietet, weil das einzige Logement mit Vollwaschautomat etwas zu weitläufig vom Artisant du Monde liegt. Dafür habe ich in 400 m Entfernung einen Waschsalon (Rue Forêt) mit sieben Waschmaschinen und drei Trocknern dank KI gefunden, während Google mir nur Autowaschanlagen mit Unterbodenwäsche und Lackpolitur anbot – was mich altersmäßig aber auch nicht mehr aufhübschen kann.

Waschsalon der Rue Foret
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