Gestern endete der viertägige Papstbesuch in Frankreich mit einer großen Messe in Metz. Taufen von tausenden Erwachsenen an den Tagen zuvor – kehrt Frankreich zum Katholizismus zurück, wird der Laizismus, die absolute Trennung von Kirche und Staat, aufgehoben? In den Medien wurde viel über den Papstbesuch berichtet, aber für eine engere Verbindung zwischen Kirchen, insbesondere der katholischen Kirche, mit dem Staat, konnte ich keine Tendenzen erkennen.
Gestern war wettermäßig ein sehr warmer, wenn nicht heißer Tag in Charleville-Mézières, aber es war für mich auch ein denkwürdiger. Marie-Lise, Evelyn und ich hatten uns zum Mittagessen verabredet und es kam auch die Sprache darauf, wie könne man die deutsch-französischen Beziehungen festigen und vertiefen. Ich möchte vorausschicken, ich arbeite zwar als Mitglied im Partnerschaftskomitee Charleville-Mézières – Dülmen mit, aber ich bekleide keinerlei Funktion und ich bin absolut kein Sprecher und kein offizieller oder offiziöser Vertreter. Wie auch dieser Blogg kein offizielles Sprachorgan des Komitees ist, sondern mein privater Blogg und ich bin auch nicht in irgendeiner offizieller Funktion hier in CMZ, sondern als normaler Tourist, der Freunde besucht, wie jeder anderer Dülmener hier Tourist sein kann. Aber Gedanken, wie eine internationale Freundschaft sich weiter entwickeln kann, sollte sich auch jeder Privatmann machen.
Das restaurierte Rathaus von Charleville am Place Ducale
Samstagmorgen in Charleville-Mézières (CMZ) ist es für mich obligatorisch in die Markthalle von Charleville zu gehen, unweit des Place Ducale. Hier trifft man seine Freunde und Bekannte und obwohl ich ja nicht viele Bekannte in CMZ haben kann, treffe ich zumindest zwei Personen, zumeist aus dem Artisan du Monde. Aber auch die Imker, immerhin vier Mal in der Halle vertreten, sind für mich Gesprächspartner und -partnerinnen, denn die asiatische Hornisse wie auch die Varroa-Milbe sind grenzüberschreitende Probleme für gestochene Imker. So mangelt es mir als „blanc loup“, wie Annie mich spöttisch lächelnd titulierte, als „bunten Hund“, nicht an Gesprächsstoff.
Keine hundert Meter entfernt von meinem Appartement in der Rue de la Paix, der Straße des Friedens, befindet sich der Square Winston Churchill. Eine Grünanlage mit großen Bäumen ringsherum und einer martialischen Soldatengruppe in der Mitte, über welche die Siegesgöttin Nike mit einem Lorbeerkranz schwebt. Ich sitze gerne in dieser kleinen Grünanlage, denn schnell kommt man miteinander ins unverbindliche Gespräch. Winston Churchill hieß die Anlage bei ihrer Einweihung 1923 noch nicht, sondern Place Carnot, nach dem ehemaligen ermordeten Staatspräsidenten Sadi Carnot.
Eines der mächtigsten Gebäude Charlevilles ist zweifelsohne die alte Mühle am Ufer der Meuse unterhalb des Place Ducale. Eine breite Brücke führt Radfahrer oder Fußgänger an das andere Ufer des Flusses und überquert dabei noch eine baumbestandene Insel. Die Mühle, längst außer Diensten, beherbergt das Museum Arthur Rimbaud und war in ihrer Mächtigkeit vor 400 Jahren mit den Atommeilern unserer Zeit vergleichbar. Nicht nur ein Kraftwerk als Getreidemühle, sondern Energielieferant für Sägewerke, Schmieden, Walk- oder Steinmühlen.
Frontansicht der Mühle, heute Museum Arthur Rimbaud
Wenn man in Charleville-Mézières wohnt und lebt, kommt man an ihm nicht vorbei: Arthur Rimbaud. Der wohl bekannteste Bürger dieser Stadt muss für viel dummes Zeug herhalten und dies beinhaltet auch einfach den Missbrauch des Namens. Dabei reduziert sich zumeist das Augenmerk auf die gerade fünf Jahre lyrischen Schaffens, weniger auf die 15 Jahre Kindheit und Jugend und kaum noch auf das Leben in Indonesien, insbesondere das kaufmännisch gesehen erfolgreiche Arbeiten in Aden.
Am Montagabend kurz vor 21 Uhr hatte ich jenes Haus, in welchem mein Appartement sich befinden sollte, erreicht. Aus Erfahrung klug geworden, hatte ich mir die Adresse und den Code für die Schlüsselbox fest eingeprägt, denn die Erfahrung lehrte mich, dass der Akku meines Handys spätestens kurz vor der Haustür leer ist. Dann hilft es nur noch eine asiatische Trinkhalle aufzusuchen und den ahnungslosen und sprachlich unkundigen Inder oder Araber zu bitten, für kurze Zeit sein Handy aufladen zu dürfen. Ansonsten ist in Charleville-Mézières am Montagabend auch jeder Hund bereits begraben. Zwei Schlüsselkästen an der schmalen Haustür, aber mir war an diesem Montag das Glück hold und gleich der erste Kasten öffnete sich wie Sesam. The Highway to heaven eröffnete sich dahinter, denn die steile Treppe ist sehr schmal, bestens für Kleidergröße 38/40 mit leichtem Handgepäck konzipiert. Deuxième étage heißt es in der E-Mail, mir schwante Böses. Ich stemmte mich mit Übergewicht, wohl gefüllten Schrankkoffer und leichtem Latop-Täschchen auf rustikalen Eichenstufen himmelwärts.
Ich wusste es ja vorher, nicht allein Charleville-Mézières ist das Abenteuer, sondern allein die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln sorgt für genügend Adrenalinschübe. Das Taxi wurde um 6.20 Uhr bestellt und zugesichert für 8.30 Uhr. Um 8.33 Uhr mein erneuerter Anruf: „Yupps, ich habe sie vergessen“. Es wurde schnell ein Privatwagen organisiert und um 8.45 Uhr ging es in zügiger Fahrt zum Bahnhof. Sie wäre nicht nötig gewesen, denn mein Zug nach Gelsenkirchen kam weniger zügig, er hatte Verspätung.
Angekommen, wenn ich dieses Gebäude verlasse – der Bahnhof von
Das Monument der vier Aymon-Söhne mit dem Pferd Bayard oberhalb von Bogny-sur-Meuse ist immer ein Tagesausflug wert, jedoch erfährt man die Mächtigkeit der Ardennen erst einige Kilometer nördlicher in Monthermé bzw. auf der anderen Uferseite der Meuse vom Point de vue de la Roche a 7 heures. Von dort oben schaut man auf die mäandernde Meuse herab, welche Monthermé umfließt. Diese Flussschleife gilt als die spektakulärste Frankreichs, und man sollte an einem sonnigen Morgen um 7 Uhr dort sein, will man den Quarzfelsen, auf welchem der Aussichtspunkt steht, in seiner gesamten glitzernden Schönheit sehen.
Die Flussschleife der Meuse, auf dem anderen Ufer Monthermé
Eine telefonische Diskussion mit der Heimat entbrannte, als nachgefragt wurde, ob ich denn bei meinen zahlreichen Restaurantbesuchen auch schon Coq au vin gegessen hätte. Ich aber hatte Croque monsieur registriert. Ehrlich gesagt, ich habe in Charleville-Mésières in noch keinem Bistro Croque Monsieur angeboten bekommen, wobei Bistros entsprechend dem Pariser Klischee hier auch seltener sind. Als ich mich darauf versteifte, dass es sich um ein Sandwich handele, und nicht wie in den deutschen Kochbüchern beschrieben, um eine Poularde, die in Wein mariniert und mit verschiedenen Gemüsen gekocht wird, kam uns erst am nächsten Tag in den Sinn, dass wir von sehr unterschiedlichen Gerichten sprachen. Aus einem Croque Monsieur kann man keinen Coq au vin machen, aber manche meiner Synapsen unterscheiden nicht zwischen Croque und Coq.
Croque-Varianten mit Ziegenkäse und Honig, oder die Standardausführung mit weicher Butter, Schinken und Emmentaler