Respekt oder Vetternwirtschaft?
Gestern endete der viertägige Papstbesuch in Frankreich mit einer großen Messe in Metz. Taufen von tausenden Erwachsenen an den Tagen zuvor – kehrt Frankreich zum Katholizismus zurück, wird der Laizismus, die absolute Trennung von Kirche und Staat, aufgehoben? In den Medien wurde viel über den Papstbesuch berichtet, aber für eine engere Verbindung zwischen Kirchen, insbesondere der katholischen Kirche, mit dem Staat, konnte ich keine Tendenzen erkennen.

Mancher wird sich noch aus dem Geschichtsunterricht erinnern, wie einst der französische monarchistische Staat von den Kardinälen Richelieu und Mazarin als regierende Minister beherrscht wurde. Mit der französischen Revolution verlor aber insbesondere die katholische Geistlichkeit ihre einflussreiche Stellung, die Klöster wurden aufgelöst, die Immobilien dem Staat zugeführt und Priester, die nicht schnell genug fliehen konnten, endeten auf dem Schafott. Der heute herrschende Laizismus, die Trennung zwischen Kirche und Staat hat in Frankreich aber erst 1905 im sogenannten Trennungsgesetz die heutige Bedeutung erlangt. Im Artikel 1 der französischen Verfassung ist dieses Grundprinzip verankert und mit der staatlichen Neutralität wird jedem Bürger auch seine Religionsfreiheit garantiert.
Dies führte 2004 dazu, dass in einem Grundsatzurteil an Schulen weder von Lehrern noch von Schülern religiöse Symbole wie Kopftücher, Kippas oder große Kreuze getragen oder gezeigt werden dürfen. Religionsunterricht, nach Konfessionen getrennt, wie in Deutschland üblich, kann nicht stattfinden. Und zwingend logisch, gibt es keine Kirchensteuer, die vom Staat durch das Finanzamt für die Kirchen einbehalten wird. Niemand wird auf dem französischen Einwohnermeldeamt gefragt, welcher Religion er sich zugehörig fühlt oder in welcher Gemeinschaft er gar Mitglied ist. Als problematisch schilderten Lehrer es mir, wenn Religionen als Unterrichtsstoff durchgenommen werden sollen. Häufig nimmt man dann Zuflucht in einem Fach, das dem deutschen Fach „Ethik“ entspricht.
Schaut man ins Detail, existiert die radikale Trennung von Kirche und Staat jedoch nicht. In Ostfrankreich, im Elsaß und in Lothringen gilt das Trennungsgesetz nicht, denn 1905 war dieses Gebiet Teil des deutschen Kaiserreichs. Daher ist die Abschlussmesse in Metz so bedeutungsvoll, denn hier gilt das Konkordat und das Straßburger Münster wird mit staatlichen Geldern restauriert bzw. Privatschulen werden subventioniert. Wenn es auch das Präjudikativsystem nicht gibt .
Mir scheint nach einigen verfolgten Debatten, Religion bleibt Privatsache und der politische Einfluss der katholischen Kirche im öffentlichen Raum bleibt im Gegensatz zu Deutschland wesentlich schwächer. Weder ist ein Ansturm von jungen Männern zum Priesteramt fest zu stellen, noch hat sich die Gesellschaft von sexuellen Übergriffen einiger Geistlichen erholt, wie beispielsweise bei Abbé Pierre. Abbé Pierre wurde 1987 zum Kommandanten der Ehrenlegion ernannt und die Banque de France brachte noch fünf Jahre nach seinem Tod 2012 eine 2-Euro-Gedenkmünze mit seinem Portrait heraus, obwohl seine sexuellen Übergriffe zwischen 1956 und 2004 polizeilich und in Kirchenkreisen bekannt waren und er 1963 deswegen hatte Kanada vorzeitig verlassen müssen.
