Botanischer Garten von Mézières
Es gibt in der Stadt CMz einige öffentliche Grünflächen, die ursprünglich Gärten von Industriellen waren. Nach dem wirtschaftlichn Niedergang der Firmen hat sich die Stadtverwaltung entschlossen, diese Flächen zu übernehmen, sie umzugestalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Über den Parc Pierquin, heute ein Arboretrum, habe ich schon berichtet, aus dem Garten der Familie Henry-Terff wurde der botanische Garten.

Der Plan des botanischen Gartens an der Rue Jules Cardot
Wer von der alten Mühle, dem Rimbaud-Museum, die Meuse flussabwärts bis zur nächsten größeren Kreuzung spazieren geht, und dort die linke steilansteigende Straße wählt, findet in der nächsten Rechtskurve den Eingang zum botanischen Garten. Bitte Vorsicht beim Straßenwechsel, da die Kurven sehr schlecht einsehbar sind!
Die Familie Henry-Terff beschloss 1927 ihren Garten der Stadt Charleville zu vermachen, unter der Auflage, dass das Areal zu einem botanischen Garten umgestaltet wird, wie ihn die Stadt Sedan bereits besitzt. Jules Cardot wurde diese Aufgabe übertragen ,
Er leitete er von 1918 bis 1931 den wissenschaftlichen Dienst der Regierung von Indochina, nachdem der sich bereits einen Namen als Bryologe, in der Erforschung von Moosen, gemacht hatte. Seit 1886 veröffentlichte er ein Dutzend Bücher über Moose aus der ganzen Welt. Als anerkannter Spezialist wurde er sogar für mehrere Expeditionen in die Antarktis herangezogen.

Mitte November ist nicht gerade die Jahreszeit, in welcher ein botanischer Garten mit seinen Gewächsen prahlt
Jules Cardot war für die Identifizierung von mehreren hundert Arten verantwortlich, von denen viele seinen Namen tragen. Er legte selbst ein Herbarium mit fast 10.000 Moosarten an, das leider von den Deutschen zwischen 1914 und 1918 geplündert wurde. Bei dieser Arbeit erlitt er 1934 kurz nach der Eröffnung einen Herzinfarkt und verstarb mit 74 Jahren.
Die einzelnen Teile des Gartens werden durch Sitzgruppen und Kinderspielplätze unterbrochen, sowie einer großen Voliere für Hühnervögel und Tauben, die im Sommer viele Besucher anzieht. Bzw. freut sich das Federvieh über jeden Besucher, denn das heisst mit großer Wahrscheinlichkeit: Futter

Voliere mit Fasan, Perlhühnern, und anderen, weniger bekannten Hühnerrassen, sowie Ringeltauben und weißgestorchte Tümmler.
Insgesamt bildet auch dieser große Garten, noch im französischen Stil angelegt, wegen der Übersichtlichkeit einen Ruhepunkt zwischen den stark befahrenen Ausfallstraßen in der Innenstadt.

Springbrunnen im botanische Garten
Die Gründung des botanischen Gartens in Charleville fällt mit einem Moment der Verherrlichung der europäischen Kolonialmacht zusammen. In Charleville-Mézières zeigt sich dieser Einfluss insbesondere in der Art-déco-Architektur, die damals dem Wiederaufbau von Mézières diente (Papageienpaare, Skarabäen und ägyptische Figuren). Das heute nicht mehr existierende Kolonialmuseum hat fast keine Spuren seiner Existenz hinterlassen.
