Missverständnisse

Eine telefonische Diskussion mit der Heimat entbrannte, als nachgefragt wurde, ob ich denn bei meinen zahlreichen Restaurantbesuchen auch schon Coq au vin gegessen hätte. Ich aber hatte Croque monsieur registriert. Ehrlich gesagt, ich habe in Charleville-Mésières in noch keinem Bistro Croque Monsieur angeboten bekommen, wobei Bistros entsprechend dem Pariser Klischee hier auch seltener sind. Als ich mich darauf versteifte, dass es sich um ein Sandwich handele, und nicht wie in den deutschen Kochbüchern beschrieben, um eine Poularde, die in Wein mariniert und mit verschiedenen Gemüsen gekocht wird, kam uns erst am nächsten Tag in den Sinn, dass wir von sehr unterschiedlichen Gerichten sprachen. Aus einem Croque Monsieur kann man keinen Coq au vin machen, aber manche meiner Synapsen unterscheiden nicht zwischen Croque und Coq.

Croque-Varianten mit Ziegenkäse und Honig, oder die Standardausführung mit weicher Butter, Schinken und Emmentaler

Erstaunt hat mich bei meinen Recherchen die erste schriftliche Erwähnung des Sandwiches Croque Monsieur auf der Speisekarte eines Pariser Bistros 1910 und der literarischen Erwähnung bei Marcel Proust in „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ 1918. Dagegen soll der halve Hahn bereits 1877 erstmalig in Köln serviert worden sein, laut eines Leserbriefes des Erfinders im Jahre 1913, also unabhängig von der französischen Variante. Dabei sind die Zutaten sehr ähnlich. Für einen halven Hahn braucht man in Köln ein Roggenbrötchen, eine dicke Scheibe Gouda, eine kleine eingelegte Gurke, etwas Senf und je nach Örtlichkeit gibt es einige Zwiebelringe dazu. Der Gouda kann auch durch einen Backsteinkäse, einem Harzer, ersetzt werden.

Die edlere Variante mit schweizerischem Raclette-Käse

Verschiedene Varianten für den schnellen Hunger

Dabei könnte ich mir gut vorstellen, dass Croque Monsieur als eroberte Mahlzeit in Kriegszeiten 1870/71 von den preußischen Truppen mit an den Rhein genommen wurde. Oder der Croque Monsieur als kleiner Imbiss von der napoleonischen Grand Armee gar 70 Jahre früher bereits in jedem Tornister steckte, wenn darin kein Platz mehr für den Marschallsstab war. Es gibt noch viel Forschungsarbeit für unsere nachfolgenden Generationen.

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